Achtung, fertig, Held!

Sicher und sichtbar zur Schule

So machen Sie Ihr Kind fit für den Schulweg

Der Schulstart – eine aufregende Zeit! Der neue Lebensabschnitt bedeutet für die Kinder mehr Eigenständigkeit, beispielsweise, indem sie den Schulweg alleine meistern. Das ist ein wichtiger Grundstein für das Selbstbewusstsein und die unabhängige Mobilität der Kinder. Genauso wichtig ist es für Sie als Eltern, Ihr Kind für diese Aufgabe fit zu machen. Begleiten Sie die schulische Verkehrserziehung insbesondere durch praktische Übungen in Alltagssituationen.

Ich kann das schon!

So steht es um die Kompetenzen von Erstklässlern

Jedes Kind ist anders. Das eine möchte am liebsten alles gleich alleine machen, das andere traut sich weniger zu. Es gibt jedoch Gemeinsamkeiten in den Kompetenzbereichen und
entwicklungsbedingte Verhaltensweisen von Erstklässlern, die im Straßenverkehr besonders zu berücksichtigen sind.

Sehen

Kinder werden aufgrund ihrer Körpergröße nicht nur von anderen schlechter gesehen, sondern haben selbst einen eingeschränkten Überblick, denn das Gesichtsfeld und die Sehschärfe entwickeln sich in diesem Alter noch. Hinzu kommt, dass sie Gefahrenpotenziale oft nicht erkennen.

Hören

Kinder haben ein noch nicht voll ausgebildetes, deutlich schwächeres Orientierungsvermögen als Erwachsene und können Geräusche noch nicht gut lokalisieren oder Bewegungen daraus ableiten. Daher können sie beispielsweise die Entfernung eines heranfahrenden Autos häufig noch nicht richtig einschätzen.

Motorik

Kinder gehen oft noch nicht sehr zügig und zielgerichtet, sie haben eine längere Reaktionszeit und brauchen zum Anhalten oder Ausweichen mehr Zeit.

Das Kind und seine Umwelt

  • Kinder schaffen es noch nicht so gut, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Daher schätzen sie das Verhalten von anderen oft falsch ein. Zum Beispiel geht ein Kind in der Regel davon aus, dass es von einem Fahrer gesehen wird und dieser auch bremst, wenn es selbst ein Auto sehen kann.
  • Entfernungen und Geschwindigkeiten können noch nicht richtig eingeschätzt werden.
  • Rechts und links werden oftmals noch verwechselt.
  • Kinder können noch nicht vorausschauend Gefahren erkennen und einstufen.
  • Sie können mehrere Aspekte nicht gleichzeitig erfassen und sind in komplexen Situationen schnell überfordert.
  • Typisch in diesem Alter ist es vor allem, dass Kinder leicht ablenkbar sind. Selbst wenn ihre Kompetenzen gut entwickelt sind, ist daher nicht immer ein sicheres Verhalten zu erwarten.

Bevor Sie Ihr Kind selbstständig zur Schule schicken, stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Kann mein Kind auf einem sicheren Weg zur Schule gelangen?
  • Kennt mein Kind wichtige Verkehrs- und Verhaltensregeln ?
  • Sind Aufmerksamkeit und Wahrnehmung gut entwickelt?
  • Trägt mein Kind sichtbare Kleidung?

Damit Sie diese Fragen mit einem klaren "Ja!" beantworten können, nutzen Sie unsere Checklisten – hier finden Sie viele konkrete Tipps zum Üben. Über die Aufklappfunktion können Sie die Tipps direkt anschauen oder sich wahlweise die Checklisten als PDF herunterladen. 

Der Schulweg-Check - So sorgen Sie für einen sicheren Schulweg

Finden Sie gemeinsam den besten Weg mit …

  • wenig Straßenüberquerungen: Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste. Kinder sollten Straßen so selten wie möglich überqueren müssen. Ampeln, Zebrastreifen, Unterführungen oder Übergänge mit Schülerlotsen sind am besten. Fragen Sie bei der Schule nach einem Schulwegplan – hier sind Gefahrenstellen vermerkt.
  • einem ausreichend breiten Gehweg.
  • möglichst wenig Verkehrsaufkommen.
  • möglichst keinen Hindernissen (parkende Autos oder Bäume, stark befahrene Radwege entlang des Gehweges, fehlender oder blockierter Gehweg, schwer einsehbare Grundstücksausfahrten, Baustellen).

Üben Sie den Weg ... 

  • mehrfach gemeinsam, zuerst an der Hand,
  • zu Schulwegzeiten
  • und zu verschiedenen Jahreszeiten oder Wetterbedingungen (insbesondere bei schlechter Sicht).

 

Lassen Sie Ihr Kind nach ausreichender Übung selbstständig gehen oder finden Sie Gruppen, mit denen das Kind gehen kann, wie z. B. einen „Laufbus“. Informationen zum „Laufbus” finden Sie im Elternbereich von verkehrshelden.com.

Unser Tipp: Vermeiden Sie Zeitdruck und gehen Sie rechtzeitig los.

Laden Sie sich hier die Schulweg-Checkliste als PDF herunter: 

Der Kleidungs-Check - So kleiden Sie ihr Kind sichtbar

Sicherheit hängt ganz wesentlich von der Sichtbarkeit ab. Es sind oft Meter und Sekunden, die im Straßenverkehr zählen – gerade bei Dunkelheit und schlechter Sicht. Durch helle Kleidung werden Fußgänger frühzeitig erkannt. So gewinnen andere Verkehrsteilnehmer wertvolle Zeit, um angemessen reagieren zu können. Denn: Ein Auto, das 50 km/h fährt, benötigt bei einer Notbremsung noch etwa 28 Meter, bis es zum Stehen kommt.

Kleiden Sie sich und Ihr Kind insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen:

  • immer hell
  • mit Reflektoren an Kleidung, Schuhen und Schulranzen
  • bestenfalls auch mit einer Kinder-Sicherheitsweste

Der Wahrnehmungs-Check - So schulen Sie Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

  • Stellen Sie Größenvergleiche von Objekten in unterschiedlicher Entfernung auf (zum Beispiel parkende Autos) und in Relation zur eigenen Körpergröße.
  • Lassen Sie Entfernungen schätzen: Wie weit ist ein Fahrzeug entfernt? Wie weit ist der Weg über die Straße? Ist der Abstand groß genug für eine Überquerung der Straße?
  • Lassen Sie Geschwindigkeiten schätzen. Welches vorbeifahrende Auto war schneller?
  • Lassen Sie das Kind Straßenübergänge beobachten und erzählen, was es sieht. Machen Sie darauf aufmerksam, was es (noch) nicht sieht: „Weiter hinten fährt ein weiteres Auto heran.“
  • Machen Sie Ihr Kind unterwegs auf Geräusche aufmerksam (Martinshorn, Fahrradklingel etc.) und fragen Sie es, was das Geräusch bedeuten könnte – im Allgemeinen und für das eigene Verhalten. Erläutern Sie die Bedeutung gegebenenfalls.
  • Spielen Sie „Ich sehe was, was du nicht siehst …“, um das Suchen und Erkennen von Gefahrenquellen zu schulen. „Zum Beispiel eine Gefahr für die Kinder mit dem Ball.“
  • Spielen Sie „Was wäre wenn …“, um mögliche Gefahrensituationen zu bewerten. „Was könnte passieren, wenn den Kindern der Ball auf die Straße rollt?“
  • Machen Sie das Kind in einem geschützten Bereich darauf aufmerksam, was Ablenkungen bedeuten können, zum Beispiel indem Sie es auf dem Smartphone ein Video gucken lassen und ihm dabei ein Hindernis in den Weg stellen.
  • Erläutern und erproben Sie typische (nonverbale) Kommunikation im Straßenverkehr: Hupe, Stopp-Zeichen, Handzeichen, Lichthupe etc.

Der Wissens-Check - So steigern Sie das Wissen über Verhaltensregeln

  • Erzählen Sie Ihrem Kind auf dem Schulweg laut, wie Sie sich verhalten. „Ich warte, bis es grün wird, dann …“
  • Erklären Sie die Bedeutung der Verkehrszeichen.
  • Rollentausch: Lassen Sie Ihr Kind Verhaltensweisen im Straßenverkehr und Verkehrszeichen erläutern.
  • Wechseln Sie die Perspektive und erläutern Sie das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. „Das Auto hält an, da für die Autos gerade rot ist.“ / „Der Autofahrer kann uns nicht sehen, da wir hinter einem parkenden Auto stehen.“

So überquert man Straßen richtig: 

  • Nach Möglichkeit Ampeln, Zebrastreifen oder Übergang mit Schülerlotsen nutzen.
  • Übergangsstelle auswählen, die keine Sichthindernisse hat (z. B. parkende Autos oder Baustellen).
  • Auf dem Bordstein stehen bleiben.
  • Links-rechts-links-Regel beachten und erste Blickkontakte aufnehmen.
  • Warten, bis die Straße leer ist oder Autos halten.
  • Blickkontakt mit Fahrer aufnehmen.
  • Zügig gehen.
  • Straße gerade überqueren.
  • In der Mitte noch mal nach rechts schauen und Blickkontakt mit dem Fahrer halten.

Der ÖPNV-Check - So ist Ihr Kind sicher mit Bus und Bahn unterwegs

Falls Ihr Kind eine Teilstrecke mit dem Bus oder mit der Bahn zurücklegen muss, gelten zusätzliche Verhaltensregeln, um die Sicherheit zu gewähren.

An der Haltestelle:

  • kein Spielen am Straßenrand
  • Abstand zum heranfahrenden Bus oder zur Bahn halten
  • nicht gegen die Türen drücken
  • beim Einsteigen nicht drängeln

Verhalten im Bus oder der Bahn:

  • zügig einen Sitzplatz suchen
  • falls man stehen muss: gut festhalten
  • den Schulranzen zwischen die Beine stellen

Bei der Ankunft:

  • beim Aussteigen nicht drängeln
  • Abstand zum Straßenrand halten
  • falls die Straße noch überquert werden muss, sollte das erst nach Abfahrt des Busses bzw. der Bahn geschehen

Der Elterntaxi-Check - So funktioniert's notfalls auch mit dem Auto

Sofern es Ihnen möglich ist, verzichten Sie darauf, Ihr Kind mit dem Auto bis vor das Schultor zu fahren, denn je mehr Eltern ihre Kinder zur Schule fahren, desto mehr leidet die Verkehrssicherheit vor der Schule darunter und das Unfallrisiko erhöht sich. Schulbusse werden behindert, gefährliche Überhol- und Wendemanöver werden provoziert und zu Fuß laufende und auch aussteigende Kinder werden durch das Chaos gefährdet. Zudem verlieren die gebrachten Kinder die Möglichkeit, ihre Verkehrskompetenz aufzubauen: sie bauen kein Risikobewusstsein auf und verlieren die positiven Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung, die Motorik, die Gesundheit, das Selbstbewusstsein und die soziale Entwicklung. Wenn Sie dennoch zwingend das Auto nutzen müssen, beachten Sie:

  • Bestenfalls fahren Sie Ihr Kind nicht mit dem Auto zur Schule, sondern es geht zumindest einen kleinen Weg zu Fuß.
  • Nutzen Sie Bringzonen der Schulen bzw. Elternhaltestellen.
  • Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind, benötigen einen Kindersitz mit Prüfsiegel ECE-44/03 und -44/04 oder R129.
  • Es gilt die Sicherungspflicht mit dem Gurt auf allen Sitzplätzen.
  • Halten Sie möglichst auf der Straßenseite der Schule, damit Ihr Kind die Straße nicht überqueren muss.
  • Lassen Sie Kinder grundsätzlich auf der Gehwegseite ein- und aussteigen.

Nutzen Sie auch zusammen mit Ihrem Kind unsere Kinderseite zur spielerischen Vertiefung des Gelernten. Dort finden Sie Spiele - zum Beispiel das Spiel zum sicheren Schulweg - aber auch Videos, Ausmalbilder und vieles mehr, um die Verkehrssicherheit Ihres Kindes zu stärken. Lernen Sie hier noch mehr zur Entwicklung der Kompetenzen von Kindern

Und so werden Sie zum Verkehrshelden

Der wichtigste Tipp zum Schluss: Seien Sie ein gutes Vorbild! Denn: kleine Verkehrshelden lernen von großen Verkehrshelden.